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Pulheim - Mit regenerativen Energien liebäugelt die evangelische Kirchengemeinde Pulheim schon länger. So schmückt seit 2002 eine Photovoltaik-Anlage das Dach der evangelischen Kindertagesstätte „Regenbogen“ an der Paul-Schneider-Straße in Stommeln.
Nun sind die Pulheimer einen Schritt weitergegangen. Zu Jahresbeginn hat die Religionsgemeinschaft, der rund 8000 Gläubige angehören, RWE den Rücken gekehrt. Seither versorgt der Ökostrom-Anbieter „Lichtblick“ die Kirchen, sprich die Gnadenkirche in Pulheim, die Kreuzkirche in Stommeln und die Friedenskirche in Sinnersdorf, die Kindertagesstätten und die Gemeindezentren mit Strom. „Wir wollten ein Zeichen gegen Strom aus Atomkraft und Braunkohle setzen“, sagt Pfarrer Volker Meiling zu der Entscheidung, die das Presbyterium (das Leitungsgremium der Gemeinde) im September 2007 getroffen hat.
„Wechsel einziges Mittel“
Das Thema Ökostrom beschäftigt das Presbyterium allerdings nicht erst seit dem vergangenen Jahr. Schon in der Herbstausgabe 2006 des Gemeindebriefes hatten sich die Pulheimer Pfarrerin Friederike Kuhlmann-Fleck und ihr Stommelner Kollege Volker Meiling unter den Stichworten „Streitpunkt“ und „Ausstoßpunkt“ zum Ausstoß von Kohlendioxid als Hauptursache des Klimawandels geäußert. Die Pläne des Energiekonzerns RWE Power, an den Standorten Neurath und Niederaußem neue BoA-Blöcke (Braunkohlekraftwerke mit optimierter Anlagetechnik) zu errichten, hätten die Debatte angeheizt. So sei die Idee aufgekommen, den Stromanbieter zu wechseln, sagt Meiling. „Der Wechsel des Stromanbieters ist das einzige Mittel, das der Verbraucher hat.“ Die Wahl sei schließlich auf „Lichtblick“ gefallen, weil der Energieversorger „Kohle- und Atomstrom ausgrenzt“, dafür aber vorwiegend auf Wasser als Energiequelle setze, so Meiling.
Dass der Strom bei dem Hamburger Unternehmen teurer ist als bei RWE und die Jahresrechnung um schätzungsweise 400 Euro höher sein wird (rund 6450 statt 6000 Euro), nimmt das Presbyterium in Kauf. Und noch etwas Gutes habe der Wechsel: „Wir wollen nun gezielter auf den Stromverbrauch achten“, sagt Meiling. Der Tarifvergleich (er basiert auf dem jährlichen Stromverbrauch) habe den ein oder anderen Stromfresser ans Tageslicht gebracht. Da die Grundgebühr bei dem neuen Stromversorger niedriger sei als bei RWE, der Preis für die Kilowattstunde aber höher, sei das ein Anreiz, Strom zu sparen.
Auch die Stadt Brühl und die Deutschlandzentrale des Autoherstellers Renault in Brühl haben seit Anfang des Jahres auf Ökostrom umgestellt. Den Strom liefern weiterhin die Brühler Stadtwerke. Der Nachweis von Ökostrom erfolgt über den Ankauf von Öko-Zertifikaten. Die Brühler Stadtwerke beziehen diese über das norwegische Wasserkraftwerk Statkraft. Dort wird der Strom in das europäische Netz eingespeist. Vom Deutschen Öko-Institut werden die Zertifikate geprüft.
Die Öko-Zertifikate („Renewable Energy Certificate System“, kurz RECS) waren jüngst in die Kritik geraten. Große Energiekonzerne würden ihren Atom- und Kohlestrom damit billig zu Ökostrom umetikettieren, um mehr Geld dafür verlangen zu können.
Der Bundesverband Erneuerbare Energie forderte die Verbraucher auf, nur mit Ökostrom-Anbietern Verträge zu schließen, die nachweisen können, dass deren Einnahmen tatsächlich in die Förderung erneuerbarer Energien fließen. Die Stadt Brühl zahlt nach der Umstellung auf Ökostrom jährlich 8000 Euro mehr an die Stadtwerke. „Die Mehrkosten investieren wir in Solaranlagen zum Beispiel an Schulen in Brühl“, sagt Karl-Heinz Plischke, Vertriebsleiter der Stadtwerke Brühl.
ON MARIA MACHNIK UND ALICE AHLERS, 08.01.08,
BILD: BEISSEL (Quelle:www.ksta.de)
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